Zitronenkuchen mit Zuckerguss

Category: Prosa, Songs

Manche Tage schmecken nach Zitronenkuchen. So einen Tag hab ich heute erlebt. Wenn ich in der früh schon aufwache und alles läuft, ja plätschert so dahin. Ob es die Zeit ist die ich heute mit meiner Tochter Elena verbracht habe, auf der Fahrt zum Fitnessstudio oder das, was ich erlebt habe, als die Kinder ihre Freundinnen zu Besuch hatten. Einfach da sein, ohne etwas tun zu müssen…Es war ein Tag wie Zitronenkuchen.

Im Zoo schien die Sonne der Wind wehte und wir schlenderten von Gehege zu Gehege – die Kinder freuten sich über die Tiere – die Tiere freuten sich über die Kinder, ich freute mich über die Freude…

Und… meine Mama ist wieder zu Hause. Das ist die Zuckerglasur, denn Mama geht es gut. Sie ist schmerzfrei und zuversichtlich.

Solche Tage haben etwas ganz besonderes, sie bringen eine große Portion Vertrauen und wir können so zulassen, dass die Zeit keine Rolle mehr spielt.

Denn eigentlich ist die Zeit oft unser Feind. Wir müssen immer schnell noch dies oder jenes tun. Eine schwere Krankheit lässt uns hinterfragen, wie viel Zeit uns eigentlich noch bleibt und wir hetzen uns ab um die Zeit einzuholen. Was aber in dieser Situation einfach unmöglich ist. Es ist ein Wettrennen das wir nur verlieren können, denn die Zeit weiß wie sie tickt und wir kennen sie eigentlich nicht, weil wir sie ganz falsch einschätzen.

Wenn nämlich der Zitronenkuchentag da ist, ist die Zeit dieselbe, aber plötzlich ist sie unser Freund. So wie ich dann einfach da bin, ohne etwas tun zu müssen, ist die Zeit einfach da und muss nichts für uns tun. Ich glaube, da ist eine kleine Schraube, die wir bei uns nachjustieren müssten…Es ist wie ein Naturgesetz: Alles ist in Bewegung. Alles schwingt, nur schwingen wir oft nicht mit, weil wir uns mit unserer Wichtigtuerei über alles stellen das natürlich schwingt und so auch über die Zeit. Die Wolken ziehen, wir atmen, wir schlafen wir essen, wir wachsen wir lachen wir weinen. All das ist Bewegung.

Das andere ist aufgesetztes Tun. Wir glauben jemand sein zu müssen für irgendwen oder irgendwas. Ich will das nicht mehr. Ich will Zitronenkuchentage, ich will wachsen, lachen, weinen. Ich will mit der Zeit verbunden sein, wie mit allem anderen. Das will ich. Zitronenkuchen mit Zuckerguss.

Hallo Zeit

Hallo Zeit
Warum quälst du mich heut
Schon wieder so

„Ein Augenschlag
Ein Flügelblick
Jetzt ist gleich vorbei
Und Nichts dreht jetzt zurück

Die Augenfrist
Der Flügelschnitt
Angeflogen, unentwegt
Den Moment nicht hingeblickt“

Hallo Zeit
Jetzt bin ich schon so weit
Und doch ists schon vorbei

„Verweilen kürzer Augen leer
Fliegen könn wir lang nicht mehr
Aktuell haben wir`s verlernt
Tempo halten macht´s so schwer

Ein Augenblick ganz ohne Frist
Dem Flügelschlag kein Zeitabschnitt
Wehen wir durch diesen Raum
Die Zeit verlangt kein Gegenstück“