Zerrissenheit und Flügelschlagen

Category: Prosa

Es ist zwei Uhr morgens. Ich bin aufgewacht und muss über Zerrissenheit nachdenken. Zerrissenheit ein Zustand den ich sehr gut kenne. Es gibt Tage da bin ich innerlich und äußerlich zerrissen, da zerrt es an mir – ich zerre an mir, weil ich die Dinge oft nicht so nehme wie sie sind. Vor allem mich selbst.

Dann genüge ich nicht – auf keiner Ebene. Ich müsste dies und jenes noch tun. Ich sollte eine bessere Mutter sein, eine bessere Ehefrau, Tochter. Ich sollte auf keinen Fall nur sein, denn das reicht nicht um für andere die richtige Anja zu sein.

Ich wollte ja darauf achten, dass ich nicht immer von mir verlange etwas zu tun… aber wie? Denn die innere Zerrissenheit kann einen schon davon abhalten. Vielleicht hat das etwas mit mangelnder Selbstliebe zu tun.

Diese Zerrissenheit ist wie Krebs, sie macht das nichts mehr geht und sie breitet sich aus in Form von Gedanken, die immer größer werden – wie schwarze Wolken am Himmel, die nie wieder verschwinden wollen. Es ist wie als hätte man einen Erzieher auf seiner Schulter sitzen. „Du kannst doch jetzt nicht auf der faulen Haut liegen. Hopp hopp ist noch viel zu tun!“

Zerrissenheit lässt sich schwer unter Kontrolle bekommen, aber es geht. Es geht wenn ich mir alles Positive vor Augen führe, das ich nicht direkt beeinflusst habe. Wenn ich meine Kinder glücklich spielen sehe oder sehe wie es meiner Mama von Tag zu Tag besser geht. Wie wir alle neuen Mut schöpfen und einfach demütig annehmen was ist…das gute sehen – in jedem Moment.

Wenn wir annehmen was ist, passiert etwas mit uns. Alles entspannt sich. Neue Möglichkeiten entstehen, weil wir die Welt mit unseren Augen sehen. Unverblümt und dankbar… so wie die Welt uns.

Der innere Widerstand ist das eigentliche Problem er zerreißt uns, denn er nimmt nicht an was ist. Er sagt „Es muss anders sein. So wie es ist, ist es nicht gut. Tu was und wenn Du nichts tun kannst bleibt Dir Dein Groll. So kann alle Welt sehen, dass es nicht gut ist, wie es ist.“ Aber das Leben ist ein Geschenk – in seinen ganzen Facetten. Und sogar in Krankheit und Tod schimmert das Gute. Wenn wir die Dinge so nehmen wie sie sind. Und dann kann auch Heilung entstehen. Heilung von Schmerz von Zerrissenheit und Widerstand und von der Krankheit selbst.

Ich kann Wurzeln schlagen und wegfliegen. Ich kann traurig sein und Freude spüren. Ich kann zusehen wie sich alles zu Wachstum hindreht. Ohne Zerrissenheit und Widerstand entsteht Leben. Natürliches Leben ohne Künstliche Zusatzstoffe ohne Geschmacksverstärker…

Ein Baum

Im Garten steht ein Baum
Kirschen trägt er reich
Die Wurzeln tun ihm weh
Da gibt es einen Traum
Will hin zum großen Teich

Der Teich ist wunderschön
Sagt einst der kleine Star
Flügel schlagen Winde tragen
Und Ciao auf Wiedersehen
Im Paradies auf Erden…da

Die Kirschen freuen sich
Wollen auch dahin
Tausend Fragen die ihn plagen
wo wohl seine Flügel sind
Und wie er Fällen könnte sich

So geht’s ein ganzes Jahr
Donnergrollen Reisepläne
Kirschen trägt er lang nicht mehr
..es ist wohl doch nicht wahr
Bis er an jenem Tag… einfach nicht mehr mag