Wie die Dinge sind

Category: Prosa, Songs

Ich bin ein Macher. Dass hat mir vor ungefähr zehn Jahren mal ein Personalberater gesagt. Damals war das ziemlich gut für mich als emsiges Bienchen in der Firma. Denn Macher sind gefragt und vielleicht auch ganz selten. Denn die Macher packen an, bewegen…Ein Macher bringt viel Energie auf um Veränderung herbeizuführen. Er setzt Ideen um und wenn der Weg auch noch so beschwerlich ist. Ein Macher macht, dass alles besser wird. Aber … besser? Wirklich? Und für wen eigentlich? Müssen wir denn immer etwas tun um etwas zu bewegen? Schließlich bewegt sich ja alles auch ohne uns. Das Meer schlägt Wellen, Bäume wachsen, Menschen lächeln und Geld fließt…einfach so.

Veränderung passiert ziemlich wahrscheinlich auch ohne unser Zutun – vielleicht nicht ganz so rasant, dafür aber anmutiger und natürlicher. Wie eine Ballerina, die in ihrem Tanz ganz und gar aufgeht. Tja, aber dafür braucht man Geduld. Die ich absolut und überhaupt nicht habe.

Die Krankheit meiner Mama lässt mich so gut wie alles hinterfragen. Wo lebe ich nicht das was ich bin, wo geht es primär ums Geld oder um die Verantwortung anderen Menschen gegenüber? Wo will ich mich besser zurücknehmen…Das ist ja wohl richtiger Bullshit – ich für den Rest der Welt und der Rest der Welt???? Das alles will ich nicht mehr. Ich will Echtheit ohne Kompromisse. Lieben, Lachen, Weinen und einfach da sein, ohne etwas tun zu müssen.

Ich selbst. Ich und selbst, das sind eigentlich zwei unterschiedliche Gefährten. Das ich ist die Hülle, unser Aussehen, unsere Rollen, die wir uns so geben, unsere Taten unsere Werke. Ich die Sängerin, ich die Musiklehrerin, ich die Tochter die Ehefrau und Mutter ich die Anja die immer strahlt und lacht, ich die alles im Griff hat. Das Selbst ist unser Inneres, unsere Seele, die sich wie die Wellen auf dem Meer einfach bewegen will, die einen eigenen Plan hat für uns, den wir aber nur dann erfahren, wenn wir sie sprechen lassen. Die Seele ist aber ganz leise. Sie ist die, die alles weiß – über Leben und sterben und das richtige, wahre Leben – das wo sich einfach alles so richtig echt anfühlt ohne, dass wir dafür etwas tun müssen.

Die Erkenntnis, dass ich eigentlich nichts machen muss, nichts planen nichts verändern das reißt mir einen großen schweren Stein von meinem Rücken. Ich wusste gar nicht, dass ich dieses Muster so in mir trage…ich muss ja wirklich immer was machen. Irgendwas ist immer zu tun: etwas läuft schief…da muss man ja wohl was machen können. Meine Mama ist todkrank, irgendwas müssen wir machen, und zwar jetzt – nicht erst in zwei Wochen. Jetzt, sonst ist es zu spät – wir müssen uns bewegen, wir müssen etwas tun…wusste gar nicht wie lächerlich das ist. Sind diese Muster aus meiner Kindheit übernommen von meiner Mutter??? Ich sollte sie das unbedingt fragen. Der Macher in unserer Familie ist aber eher mein Vater. Papa und ich sind uns sehr ähnlich – so wie Josef und Mama. Schon lustig wie alles zusammenpasst… Er versteht mich wahrscheinlich, weil er auch ein Macher ist – aber dieser Krebs lässt uns alle inne halten und hinterfragen, ob dieses geschäftige Tun überhaupt einen Sinn macht…Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht nur mir so geht. Wir tun zu viel und vergessen zu sein…miteinander zu sein. Aber jetzt nicht mehr. Denn jetzt ist alles anders.

Im Endeffekt geht es natürlich nicht ohne Tun und die Welt lebt ja auch von diesen wunderbaren Machern – auf der anderen Seite können wir wahrscheinlich nur dann etwas tun, wenn die Zeit dazu reif ist. Wenn wir alle Erkenntnisse gesammelt haben und wenn unser Selbst, unsere Seele den Startschuss gibt. Erst dann können wir die Segel setzen und losziehen um etwas zu verändern – im Rhythmus unserer Seele, sonst machen wir uns kaputt – aber dazu müssen wir die Seele ja erst einmal hören. Das wäre dann wohl der Flow…

Die meisten Menschen stellen ihr Ich über ihre Seele, und wahrscheinlich nicht nur über die sondern über vieles Andere. Ob sie sie dann jemals hören?

Die Tanzende

Das Licht geht aus
Der Saal ist still
Der Ton erklingt
Und schau da will
Die Tanzende schon raus

Aus der Haut
in den Saal
Einfach so
und noch einmal
Schwört sie sich herauf

Sie sitzen da
Wie schön sie ist
Wo hat sie das gelernt
Geld verdient sie sicher viel
Wie lange noch ein Jahr?

Doch sie ist eins
Mit dem was ist
Tanzt sich so weit
Wir sehen sie leider nicht
Nur ihr schönes Kleid

Das Licht ist an
Der Saal er tobt
Sie auf einmal klein
Bravissimo Bravissimo
Sie lächelt ein kleines nein