Es ist Zeit

Category: Prosa

Ich lebe in zwei Welten. Die eine Welt – sie ist noch ziemlich neu für mich – ist die absolute Akzeptanz von dem was ist. Sie ist ruhig und sanft. Sie ist wie ein weiches Kissen, an das man sich anschmiegt, oder wie die Wolken, die am Himmel langsam vor sich hin ziehen.

Die andere Welt kenne ich sehr gut – sie ist laut und gierig nach Informationen, sie will absolute Kontrolle und ihr bester Freund ist die Zukunft. Alles was nicht Jetzt ist, ist interessant. Ich mag diese Welt nicht, sie macht mich nervös und ich fühle mich klein, machtlos und müde.

Wenn ich morgens aufstehe bin ich meistens in der gewohnten lauten Welt. Denn ich fange sofort an zu denken. Ich will zu viel…Ich muss noch und sollte…sind die Kinder glücklich, hab ich genug getan, geübt, ich muss einkaufen, Wäsche waschen, Akkordeon üben, Songs schreiben, Kunden anrufen – ohje ein Chaos zu Hause…Es strengt mich sehr an aber ich finde ganz oft den Ausgang nicht.

Und wo ist der Eingang der neuen Jetzt-Welt? Den finde ich nämlich auch nicht so leicht. Manchmal klappt es über Meditation … oder wenn ich einfach da bin. Wobei …auch das ist noch sehr schwer. In dieser Welt fühle ich mich sehr wohl, aber auch noch sehr fremd. Ich kenne diesen Ort noch nicht sehr gut, aber ich habe den Zugang zu ihm, denn er öffnet mir täglich für kurze Zeit seine Tore.

Eine große Hilfe ist das Schreiben. Es ist, wie als würde meine Seele nun endlich mit mir reden oder ich ihr endlich zuhören…Ich frage mich, wie ich all die Jahre so laut und zerstöririsch leben konnte – in mir drin. Ich habe immer gesucht, drehte mich im Kreis und ich bin dadurch immer an dieser Tür vorbei gelaufen.

In dieser Welt gibt es auch eine Sprache, die jeder Mensch verstehen kann, es ist die Sprache der Weltenseele. Das Universum spricht mit uns über Zeichen. Wer auf seinen Lebensweg kommen will, braucht ihnen nur zu folgen – diesen Zeichen. Ich habe in meinem Leben schon viele dieser Zeichen bekommen. Ich habe viele 4Klee gefunden, Federn, Sternschnuppen gesehen, „zufällige“ Begegnungen erlebt. Schicksale stellten sich als wichtige Wegweiser heraus…

Ich denke mit Mamas Krankheit ist das auch so. Es verändert sich gerade sehr viel…Nicht im Außen aber in mir drin. In uns… Ich habe diese Welt gefunden, diese wunderbare weiche Jetzt-Welt. Ich habe das Schreiben wieder gefunden. Und ich weiß, alles was zu mir gehört, was ich für meinen Lebensweg brauche, wird zu mir finden. Anderes wird gehen, einfach so – und für alles andere ist gesorgt.

Der Fisch ist reich
Er schwimmt im Teich
Nur des Schwimmens willen

Mit ihm das Meer
Er liebt es sehr
Wird´s mit schwimmen füllen

Das Jetzt

Das Gestern hat mein Jetzt entzweit
Nun liegt es hier verborgen
Es hatte einen kleinen Streit
Mit dem großen Morgen

Jetzt steh ich ohne Boden da
Auf dem Kopf der Himmel
Das morgen ist noch unsichtbar
Das gestern nur ein Schimmer

Morgen ist heute schon gestern

Heute ging ich in den Wald
Hab mich darin verloren
Nichts als Bäume sah ich bald
Was ist aus dem Wald geworden?

Das gestern hat mein jetzt entzweit
Ich seh den Wald nicht mehr
Er hatte einen kleinen Streit
Mit dem Bäume-Meer – sie waren er

Morgen ist heute schon gestern

Ich bin der Wald
Die Suche der Baum
Ich werde alt
Die Welt und ihr Zaun