Dünne Haut

Category: Poesie, Prosa

Ich habe heute eine dünne Haut und morgen wahrscheinlich auch. Ich bin so schnell den Tränen nahe. Und es ist wunderbar. Und ich merke, es ist Herbst… Ja es ist Herbst… Im Herbst ist das Licht anders – klarer. Und so sehe auch ich klarer. Alle Farben alle Formen die ich bin. Wie der Herbst…Mama geht es gut – sie ist gar nicht krank…sie ist wunderbar und vielleicht sieht auch sie klar und riecht den Herbst…das muss ich sie fragen.

Alles ist anders im Herbst Schluss mit Gleichförmigkeit. Schluss mit „es allen Recht machen“. Schluss damit – endlich.

Wenn der Herbst kommt, hat uns das Jahr schon viel gezeigt. Es war kalt es war warm es war sonnig und regnerisch, Gewitter und Sternschnuppen blitzten in unsere Seelen und wir bleiben stehen und merken, es ist Herbst. Die Sonne steht tiefer, Schatten zeigen sich, die Blätter werden gelb und wir erkennen vielleicht, wer wir wirklich sind – mit all unserem Licht und Schatten.

Ja ich habe eine dünne Haut. Das heißt, die Dinge berühren mich, bewegen mich. Das ist manchmal gut, zum Beispiel für die Kunst oder für das Schreiben. Endlich bewegt sich was in mir und lustigerweise auch ganz sanft im Außen.
Gestern telefoniere ich mit meiner Freundin und sie fragt mich „Und wie läufts?“ Ich halte kurz inne und höre mich sagen „Ja es läuft…erstaunlich gut.“ In dem Moment bemerke ich, wie sich alles ganz sanft seine Wege gebahnt hat – in meinem Sinne und im Sinne meiner Familie. Ich merke wie ich begonnen habe, mit der Zeit zu gehen, mitzuschwingen. Wie ich die Dinge immer mehr so schätze wie sie sind. Es ist ein wenig ruhiger geworden in mir und um mich herum, vielleicht ist es weniger spektakulär aber unheimlich tief.

Es zieht mich immer mehr hin zu mir – es ist wie ein Sog. Alle Dinge, die passieren, positiv oder negativ, zeigen mir auf, was meine Themen sind. Immer wieder sagt es „Vertraue! Hör auf Dein Herz! Bleib bei Dir“

Als ich Elena zum Beispiel letzten Sonntag in dieses Reitcamp brachte hatte ich ein komisches Gefühl. Es kam mir dort sehr gefühlskalt vor und ich war misstrauisch. Ich wollte Elena nicht enttäuschen, also ließ ich sie da.

Gestern wollten wir sie besuchen – sie lief mir unter Tränen entgegen…“Mama nimm mich mit ich will nach Hause, hier ist alles so streng…“ Dann lass ich mich auch noch von den Inhabern einlullen und rede auf Elena ein, sie solle doch bleiben. Dann – Abstand – Nachdenken – Reflektieren und ich merke – mein Gefühl trügt nicht – es ist genau so, wie ich es mit meinem Herzen sah…gefühlskalt, streng und nichts für mein Kind. Ja ich habe eine dünne Haut….

Aber wir schauen nicht zurück. Es ist jetzt und ich habe verstanden und meine Entscheidungen getroffen. Alles wird gut.

Diese Haut ist dünn

Diese Haut ist dünn
Heute und morgen vielleicht
Ja das Leben erfüllt den Sinn
Der Fisch er schwimmt im Teich

Dieses Herz ist voll
Gestern liefs über vielleicht
Ja manche Tage spielen in moll
Tränen sie weinen uns weich

Dieser Kopf er spinnt
Mal kreuz mal quer vielleicht
Diese Haut ist dünn
Der Fisch er schwimmt im Teich