Du stirbst… also fang an zu leben!

Category: Prosa, Songs

Meine Mama ist krank. Sehr krank – es ist Krebs. Was für ein Wort…Krebs ein rotes Tier mit Scherenhänden dass rückwärts geht – oder seitwärts? Ich denke mal das Tier hat nichts mit der Krankheit zu tun, aber es hat Scherenhände, es kann einen also ziemlich verletzen und es geht rückwärts – zumindest für mich. Und das macht die Krankheit – sie lässt einen rückwärts gehen. Erst um zu verstehen – woher kommt er, warum ist er da, wieso hab ich es erst jetzt bemerkt??? Und dann bringt er Dich dazu, dem Tod ins Auge zu blicken dem Tod, der von Geburt an immer da ist (Rückwärts gehen). Wir gehen rückwärts…hab ich alles richtig gemacht? Was habe ich verpasst? Wo war ich noch nicht? Wem muss ich noch verzeihen, anrufen, aufklären?

Ich gehe auch rückwärts, wie der Krebs. Habe ich mit ihr alles erlebt? Hatten wir alle wichtigen schönen Momente? Hatten wir ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter, dass Sie sehen konnte, wie sehr ich sie doch liebe und wie sehr ich sie hier noch brauche? Wie sehr ich möchte, dass sie bleibt?

Der Tod…ein ungeliebtes Kind, vor dem wir uns fürchten uns abwenden weil es so anders aussieht als das Leben. Der Tod – er erscheint uns hässlich und deshalb sperren wir ihn weg. Wir vergessen ihn … unser ganzes Leben lang vergessen wir ihn einfach. Bis er an die Tür klopft – in Form einer Krankheit, eines Unfalls, oder eines todkranken Menschen den man liebt.

So ist es bei mir – der Tod sitzt neben mir oder auf meinem Schoß. Er umarmt mich und möchte meine Zuwendung. Ich sperre ihn wieder in den Keller. So wie meine Trauer, meine Wut, meine Verzweiflung. Ich sperre alles in den Keller. Dann gehe ich raus und lächle und bin stark und strahle und bin stark. Abends bin ich ausgelaugt weil der Tod, die Angst die Wut und die Verzweiflung viel zu laut geschrien haben. Ich musste die Musik lauter machen, damit sie niemand hört. Ich musste lauter lachen, viel reden, viel mehr strahlen und ich musste noch befreiter lächeln.

Es ist eine Vermutung…Unterbewusst erlaube ich meiner Seele kein Weinen, ich erlaube mir nicht, dass der Topf überläuft. Und warum? Weil ich Verantwortung trage. Ich kann so die (heile) Welt ein bisschen besser machen. So können andere diese Welt mehr ertragen. Und da ist er wieder der Krebs … der rückwärts geht. Wenn es mir schlecht geht und ich tue so als ob es mir gut ginge, dann schneide ich mich selbst und ich mache mich klein und ich gehe rückwärts für eine heile Welt, die es eigentlich nicht gibt. Ich gehe rückwärts nicht vorwärts – denn ich tu mir nur selber weh. Und schneide mich ab, vom mir selbst…

Die Welt ist nicht heil – sie tut nur so, weil sie den Tod, die Angst, Verzweiflung und Trauer in den Keller sperrt.

Gut so. Nur die klopfen und schreien, sie wollen raus – sie wollen auch unsere Liebe, wie ihre Geschwister Freude, Glück, Mut, Freiheit und Unbeschwertheit.

Das heißt wenn wir sie nicht ständig mit Reizüberflutung übertönen wollen, müssen wir sie wohl heraus lassen aus dem Keller…und dann?

Im Dunkeln

Hinter dicken Mauern
In einem dunklen Haus
Fand ich ein kleines Schloss
Etwas schrie darin ganz leis
Bitte lass mich raus

Doch ging das Schloss
nicht einfach auf
war es doch zu schwer
morgen wagen wirs dann auch
heute …besser nicht mehr

Wir tanzten im Wirbel des Windes
Und lachten im Rauschen des Sees
Wir sangen die Lieder der Erde
Und hörten das Rieseln des Schnees

Wenn ich es heute öffne
Was erwartet mich sodann
Ist es nicht zu ertragen
Dieser Schrei…ein Silberglanz

So machten wir es auf
Das Schloss
Es war ja ach so schwer
Hinter den dicken Mauern
Der Raum…er war leer

Wir tanzten im Wirbel des Windes
Wir lachten im Rauschen des Sees
Wir sangen die Lieder der Erde
Und hörten das Rieseln des Schnees

So ging ich in das leere Nichts
Und sah auf einmal klar
Die Schwere war wie weggefegt
Ein Raum so schön so wahr